Basisinformationen zum Brandschutz mit Glas
Transparenter Brandschutz mit Pilkington Pyrostop®, Pilkington Pyrodur® und Pilkington Pyroclear®
Transparenter Brandschutz in der Schweiz heisst funktionales Zusammenspiel von Rahmensystemen mit allen Details und natürlich den geeigneten Brandschutzgläsern Pilkington Pyrostop®, Pilkington Pyrodur® und Pilkington Pyroclear®. Da es sich beim Brandschutz um ein speziell reglementiertes Gebiet handelt, ist als Anwendbarkeitsnachweis eine VKF Anwendungsbescheinigung notwendig.
Alle Brandschutzgläser der Pilkington Deutschland AG sind CE-konforme Bauprodukte und werden entsprechend gekennzeichnet. Pilkington Pyrostop®- und Pilkington Pyrodur®-Gläser sind als einschalige Typen gemäss EN 14449 und als Isoliergläser gemäss EN 1279, Pilkington Pyroclear® ist als monolithisches Glas gemäss EN 12150 und als Isolierglas gemäss EN 1279 eingeordnet.
In der Schweiz existieren zur Zeit zwei grundsätzlich unterschiedliche Arten von Brandschutzverglasungen:
EI-Verglasungen
Im Baurecht werden die EI30-Verglasungen als feuerhemmende, die EI60-Verglasungen als hochfeuerhemmende und die EI90- und EI120- Verglasungen als feuerbeständige Bauarten benannt. Alle Verglasungen müssen über die genannte Feuerwiderstandsdauer vor Feuer und Rauch schützen und darüber hinaus den Hitzedurchgang nahezu völlig verhindern.
E-Verglasungen
Die E-Verglasungen (gegen Feuer widerstandsfähige Verglasungen) werden in der Schweiz als Bauteile für den Rauchschutz eingesetzt. Diese Verglasungen müssen über die Feuerwiderstandsdauer vor Rauch und Feuer schützen, jedoch wird der Durchgang der Hitzestrahlung nicht begrenzt. Um das Ziel der Rauch- und Flammendichte des Gesamtsystems über die Prüfdauer zu erreichen, ist jedoch in vielen Fällen der Einsatz eines den Hitzedurchgang im Brandfall reduzierenden Glases wie Pilkington Pyrodur® unumgänglich. Mit Pilkington Pyrodur® kann man z. B. aufgrund der reduzierten Hitzestrahlung in geeigneten Systemen zusätzlich erhöhten Schallschutz (Kombinationen mit Schalldämm-Verbund-Sicherheitsglas) realisieren oder erhöhte Sicherheitsanforderungen (Kombinationen mit Verbund-Sicherheitsglas) erfüllen. Um den geforderten Raumabschluss bieten zu können, stellen Brandschutz-Verglasungssysteme mit Pilkington Pyroclear® eine zusätzliche Möglichkeit für die Feuerwiderstandsklasse E30 für grösstmögliche Glasdimensionen dar.
Forderungen an EI-Verglasungen mit Pilkington Pyrostop® und E-Verglasungen mit Pilkington Pyrodur® und Pilkington Pyroclear®
| Prüfung mit ETK (Einheits-Temperaturzeit-Kurve) | ![]() | alle EI-Verglasungen mit Pilkington Pyrostop® und E-Verglasungen mit Pilkington Pyrodur® und Pilkington Pyroclear® |
| Raumabschluss (keine Öffnungen) | ![]() | |
| Flammdichte | ![]() | |
| Thermische Isolation (im Mittel mx. +140 K, kein Einzelwert > 180 K) | ![]() | EI-Verglasungen mit Pilkington Pyrostop® |
| Wattebauschtest (Prüfung auf Selbstentzündung) | ![]() |
Energiedurchgang bei unterschiedlichen Brandschutzverglasungen nach 30 Minuten Normbrand

Mittlerweile werden Brandschutzverglasungen und Feuerschutzabschlüsse vorwiegend nach europäischen Normen geprüft und klassifiziert.
Die folgende Tabelle gibt eine kurze Übersicht der Klassifizierungszuordnungen nach DIN EN 13501-2 und DIN 4102.
EI30 bis EI120 | Raumabschluss mit thermischer Isolation - Pilkington Pyrostop® |
| EW30* | Raumabschluss mit reduzierter Hitzestrahlung - Pilkington Pyrodur® |
| E30 (R30 / G30) | Raumabschluss - - Pilkington Pyrodur® oder - Pilkington Pyrostop® |
* EW ist in der Schweiz nicht geregelt
Neben den vorwiegend im Innenbereich eingesetzten einschaligen Brandschutzgläsern steht eine Vielzahl von Pilkington Pyrostop®- und Pilkington Pyrodur®-Brandschutz-Isoliergläsern zur Verfügung, die zusätzlich erhöhte Anforderungen an den Wärmeschutz, Sonnenschutz, Schallschutz sowie Personen- und Objektschutz erfüllen können.
Mittlerweile können die erhöhten Anforderungen für den Personen- und Objektschutz auch durch einschalige Brandschutzgläser in Abhängigkeit von der Feuerwiderstandsklasse erfüllt werden.
Komplettiert wird das gesamte Brandschutzglas-Programm durch die neue Produktlinie Pilkington Pyroclear® mit verschiedenen monolithischen Typen und Isolierglaskombinationen für den Wärme- und Sonnenschutz.
Ein weiteres wichtiges Kriterium für die fachgerechte Beurteilung einer Brandschutzverglasung ist deren Einbaulage. Weicht sie mehr als 10° von der Vertikalen ab, so handelt es sich um geneigte oder horizontale Verglasungen, die im Allgemeinen als Dachverglasungen bezeichnet werden.
Für diese Anwendung, bei der die Gesamtkonstruktion einschliesslich der Brandschutzgläser besonderen Belastungen (Schnee, Wind, Eigengewicht und Klimalasten) unterliegt, sind spezielle Brandschutzgläser entwickelt worden, die die national gültigen anwendungstechnischen Vorschriften und Richtlinien erfüllen. Selbstverständlich gilt auch hier das Grundprinzip, dass ausschliesslich Brandschutzgläser mit einer entsprechenden Rahmenkonstruktion inklusive aller Konstruktionsdetails die geforderte Feuerwiderstandsklasse erreichen können. Darüber hinaus müssen diese Verglasungen selbstverständlich über die gesamte Nutzungsdauer ihre vorgesehene gebrauchsmässige Funktion als z. B. Wetterschutz einwandfrei erfüllen.
Im Fassadenbereich sind verglaste Brandschutz-Fassadensysteme, die als Pfosten-Riegel-Konstruktionen über mehrere Geschosse verlaufen können, zu erwähnen. Hierfür gibt es Zulassungen, in denen neben den brandschutztechnischen Aspekten auch die Nachweise zur Gebrauchstauglichkeit (z. B. statische Eignung hinsichtlich der Wind- und Klimalasten) entsprechend der genannten Richtlinien gefordert sind. Ebenso werden in diesen Zulassungen die technischen/physikalischen Eigenschaften der Gesamtkonstruktion inklusive der Gläser behandelt.
Pilkington Pyrostop® wird als Bestandteil von Bauteilen der Feuerwiderstandsklassen EI30, EI60, EI90 (und ggf. höher) eingesetzt. Mit diesen Bauteilen wird neben der Rauch- oder Flammendichte, wie bei massiven, nichttransparenten Brandschutzbauteilen, die geforderte thermische Isolierung im Brandfall erreicht.
Wird von der entsprechenden Behörde bzw. dem Vorbeugenden Brandschutz ein Bauteil mit der Feuerwiderstandsklasse E30 gefordert, so kommen Brandschutzsysteme mit Pilkington Pyrodur® und mit Pilkington Pyroclear® zur Anwendung.
Pilkington Pyrostop® wird als Bestandteil von Bauteilen der Feuerwiderstandsklassen EI30, EI60, EI90 (und ggf. höher) eingesetzt. Mit diesen Bauteilen wird neben der Rauch- oder Flammendichte, wie bei massiven, nichttransparenten Brandschutzbauteilen, die geforderte thermische Isolierung im Brandfall erreicht.
Wird von der entsprechenden Behörde bzw. dem Vorbeugenden Brandschutz ein Bauteil mit der Feuerwiderstandsklasse E30 gefordert, so kommen Brandschutzsysteme mit Pilkington Pyrodur® und mit Pilkington Pyroclear® zur Anwendung.
Sowohl im EI-Bereich als auch in der E-Klasse hat Pilkington in Kooperation mit nahezu allen anerkannten Profilherstellern und Fachfirmen eine Vielzahl von Brandschutzsystemen entwickelt, die von der Vereinigung kantonaler Feuerversicherungen (VKF) in Bern zugelassen wurden.
Falls die VKF Anwendungsbescheinigungen bestimmte bauliche Gegebenheiten oder spezielle Glaskombinationen nicht abdecken können, besteht die Möglichkeit der sog. Einzelzulassung die in der Regel durch die kantonal oder regional zuständigen Behörden bzw. Versicherungsämter gesprochen werden. Die Abstimmung mit dem Zulieferanten, Zulassungsinhaber bzw. Lizenzgeber ist zwingend erforderlich.
Absturzsichernde Verglasungen mit Pilkington Pyrostop® und Pilkington Pyrodur®
Brandschutzverglasungen mit Pilkington Pyrostop® und Pilkington Pyrodur® können auch in den Bereichen eingesetzt werden, in denen neben den Brandschutzanforderungen auch die Eigenschaft einer absturzsichernden Verglasung gefordert wird. Einsatzmöglichkeiten im Fassadenbereich und im Innenausbau sind hierbei möglich.
Dabei gehen die Baubehörden im allgemeinen von einer Höhendifferenz von mindestens 100 cm aus, ab der eine Absturzsicherung vorzusehen ist.
In der Schweiz gilt die SIGaB Dokumentation 'Sicherheit mit Glas' (Personenschutz, Geländer aus Glas, Ausgabe 12/2007) als Vorgabe für die Anwendung am Bau. Weitere Informationen finden Sie im entsprechenden Kapitel 'Sicherheitsgläser' oder in der SIGaB Dokumentation.
Aufzugsverglasungen mit Pilkington Pyrostop® und Pilkington Pyrodur®
Besondere sicherheitstechnische Überlegungen hinsichtlich der Absturzsicherung fordern die Aufzugsverglasungen. Wenn zusätzlich brandschutztechnische Anforderungen gestellt sind, so kommen hier in der Regel EI30, EI60 oder EI90-Verglasungen zum Einsatz.
Feststehende Verglasungen, die im Aufzugsbereich, d. h. als Bestandteil des Schachtes bzw. des Fahrkorbes eingesetzt werden, werden in der Regel nach DIN EN 81 (Sicherheitsregeln für die Konstruktion und den Einbau von Aufzügen) behandelt. Weitergehende Anforderungen sind im Einzelfall zu berücksichtigen. Ohne auf weitere Details der beiden genannten Richtlinien an dieser Stelle eingehen zu können, ist eine Hauptaussage, dass die in den Verkehrsbereichen eingesetzten Verglasungen aus Verbund-Sicherheitsgläsern bestehen müssen. Deshalb sind auch in den Bereichen, in denen Brandschutzverglasungen z. B. für die Klasse EI30 gefordert sind, grundsätzlich Brandschutzgläser mit integrierten Sicherheitsfolien wie Pilkington Pyrostop® 30-20 oder Pilkington Pyrostop® 30-26 mit entsprechender Sicherheitsglas-Aussenscheibe einzusetzen.
Pilkington Pyrostop® 30-20 hat die Pendelschlagprüfungen nach EN 81 (harter/weicher Prüfkörper) sicher bestanden.
Für die EI60 und EI90-Klasse ist analog zu verfahren, d. h. Pilkington Pyrostop® 60-201 bzw. 90-201 sowie Pilkington Pyrostop®-Isolierglas mit Sicherheitsglas-Aussenscheibe.
Wird E30-Klasse gefordert, empfehlen wir den Einsatz von Pilkington Pyrodur® 30-200, das auch den Leistungsträger (raumseitiges Brandschutzpaket) darstellt. Pilkington Pyrodur® 30-200 wurde ebenfalls positiv nach EN 81 getestet.
Da Interpretationsspielraum hinsichtlich des Einsatzes von Verglasungen im Aufzugsbereich besteht, sollte in jedem Fall die Zulässigkeit der einzusetzenden Gläser im Vorfeld der Bauausführung mit allen zuständigen Stellen abgestimmt werden.
Begehbare Verglasungen
Glasflächen, die horizontal angeordnet und gleichzeitig im normalen Gebrauch begehbar sein sollen, sind Bestandteil von VKF-Anwendungsbescheinigungen. Für detaillierte Informationen nehmen Sie bitte mit dem Zulassungsinhaber Kontakt auf.
Ballwurfsichere Verglasungen
Die nachfolgend aufgeführten Produkte wurden mit Hand- und Hockeybällen gemäss DIN 18032-3 bei vierseitiger Lagerung geprüft.
Pilkington Pyrostop® 30-10 für EI30-Brandschutzverglasungen
| Typ | Glasdicke in mm | Min. Abmessung in cm2 | Max. Abmessung in cm2 |
| 30-10 | 15 | 50 x 50 | 140 x 300 |
Pilkington Pyrostop® 30-201 für E 30-Brandschutzverglasungen
| Typ | Glasdicke in mm | Min. Abmessung in cm2 | Max. Abmessung in cm2 |
| 30-201 | 10 | - | 120 x 260 |
| 30-203 | 11 | - | 140 x 300 |
Pilkington Pyrostop®- und Pilkington Pyrodur®-Brandschutz-Isoliergläser sind von der Raumseite her gesehen ballwurfsicher, wenn die geprüften Minimal- und Maximalabmessungen nicht unter- bzw. überschritten werden. Wir empfehlen, bei den Brandschutz-Isoliergläsern die nicht direkt belastete Scheibe in mind. 6 mm Einscheiben-Sicherheitsglas auszuführen.
EI60- und EI90-Typen erfüllen diese Anforderungen ebenfalls.
Weitere Abmessungen auf Anfrage.
Mängel und scheinbare Mängel
Im Zusammenhang mit der Verglasung können an den transportierten, gelagerten und eingebauten Verglasungseinheiten Schäden eintreten oder physikalisch bedingte Eigenschaften von Glaserzeugnissen sichtbar werden, die nicht unter eine Garantie fallen bzw. deren Auswirkungen begrenzt werden können.
Es sollten aus diesem Grunde die entsprechenden Empfehlungen und Erläuterungen beachtet werden, neben den allgemeinen Hinweisen bezüglich Pilkington Pyrostop®, Pilkington Pyrodur® und Pilkington Pyroclear ®. Diese Informationen sind im Kapitel 'Basisgläser' sowie im Kapitel 'Richtlinien und Normen' zu finden und gelten für fast alle Arten von Basis- und Spezialgläsern.
Richtlinie zur Beurteilung der visuellen Qualität von Pilkington Pyrostop® und Pilkington Pyrodur®
Einleitung und Anwendung
Die Brandschutzgläser Pilkington Pyrostop® und Pilkington Pyrodur® bestehen aus mehreren dünnen Floatglasscheiben und dazwischenliegenden Funktionsschichten mit hervorragenden optischen Eigenschaften. Im Brandfall schäumen die Brandschutzschichten auf und verhindern gemeinsam mit dem Glas den Durchtritt von Feuer und Rauch. Ausserdem wird der Durchgang der Hitzestrahlung erheblich reduziert. Die Brandschutzeigenschaften werden durch gegebenenfalls auftretende visuelle Abweichungen in der Regel nicht beeinträchtigt.
Beurteilungsbedingungen
Im Innenraum eingebaute Brandschutzgläser werden bei normaler Beleuchtung (keine gerichteten Strahler, etc.) visuell beurteilt. Die Beurteilung von Brandschutzgläsern in der Fassade erfolgt bei diffusem Tageslicht (bewölkter Himmel, keine direkte Sonneneinstrahlung). Das Glas wird im eingebauten Zustand aus ca. 3m Entfernung betrachtet. Hierbei ist der Blick senkrecht zur Glasoberfläche und nicht auf die Scheibe, sondern auf den Hintergrund gerichtet. Fehler werden vor Durchführung der Beurteilung nicht gekennzeichnet.
Beurteilungszonen
Es werden zwei Beurteilungszonen unterschieden, die in folgender Skizze schematisch dargestellt sind. Die Hauptzone des Sichtfeldes wird umrahmt von der Randzone, die allseitig 10 % der Scheibenabmessungen umfasst. Der im eingebauten Zustand ausreichend abgedeckte Randbereich wird nicht berücksichtigt (18mm).

H = Hauptzone
R = Randzone
G = Glaseinstand
Zulässige Fehler
Punktfehler (z.B. Einschlüsse oder Bläschen)
| Zone | Scheibenfläche | |
| ≤ 0,5 m2 | > 0,5m2 | |
| H | 1 Punktfehler ≤ 2 mm Ø | 1 Punktfehler ≤ 2 mm Ø pro m2 und 1 Punktfehler ≤ 3 mm Ø pro m2 |
| R | 1 Punktfehler ≤ 3 mm Ø je umlaufenden m Kantenlänge | |
Die Bestimmung zulässiger Fehler der Hauptzone basiert auf der ab- bzw. aufgerundeten Fläche der entsprechenden Festmassscheibe. Eine Glasfläche von 0,50 m2 bis 1,49 m2 entspricht der Kategorie zulässiger Fehler für 1 m2, zwischen 1,50 m2 und 2,49 m2 ist die Kategorie zulässiger Fehler für 2 m2 ausschlaggebend, usw.
Punktfehler zwischen 0,5 mm und 1 mm Durchmesser werden nur bei Anhäufung berücksichtigt. Eine Anhäufung liegt vor, wenn mindestens vier Punktfehler innerhalb einer Kreisfläche mit einem Durchmesser von 15 cm vorhanden sind.
Sonstige Fehler
Im Vergleich zu Floatglas können im Einzelfall schwache Verzerrungen auftreten, die durch optische Eigenschaften der Brandschutzschichten bedingt sind. Mehrere Haarkratzer sind erlaubt. Kratzer bis 15 mm Länge sind zugelassen, sofern die Gesamtlänge der Kratzer 45 mm nicht überschreitet.
Hinweis
Diese Richtlinie orientiert sich an der Europäischen Norm EN ISO 12543-6 für Verbundglas und Verbund-Sicherheitsglas. Für Brandschutz-Isolierglas gelten die Spezifikationen der jeweiligen Einzelscheiben.
Die visuelle Richtlinie vom SIGaB ist ebenfalls zu berücksichtigen.
Richtlinie zur Beurteilung der visuellen Qualität von Pilkington Pyroclear®
Einleitung
Pilkington Pyroclear® ist ein Brandschutzglas, das aus hoch vorgespanntem Pilkington Optifloat™ besteht. Es wurde entwickelt, um im Brandfall den Durchtritt von Feuer und heissen Gasen zu verhindern. Pilkington Pyroclear® wird speziell für diese Anwendung produziert, dabei bietet es hervorragende optische Eigenschaften und eine verzerrungsarme Durchsicht. Die bei der Basisglasproduktion verwendeten Materialien bewirken eine leichte Eigenfarbe, welche mit zunehmender Dicke sichtbarer werden kann, was besonders dann deutlich wird, wenn man das Glas einer kritischen Betrachtung vor einem weissen Hintergrund unterzieht. Diese Eigenfarbe ist typisch und normal für Floatglas und stellt keinen Mangel dar. Besondere Anforderungen an das Glas (z. B. Wärme- oder Sonnenschutz usw.) werden teilweise durch Kombinationen mit beschichteten Gläsern umgesetzt. Auch beschichtete Gläser haben eine Eigenfarbe. Diese Eigenfarbe kann in der Durchsicht und/oder in der Aufsicht bei unterschiedlichen Lichtverhältnissen und bei unterschiedlichen Betrachtungswinkeln erkennbar sein. Schwankungen des Farbeindruckes aufgrund von Abweichungen aus dem Beschichtungsprozess und der Beschichtung selbst sowie durch Veränderungen der Glasdicken und des Isolierglasaufbaus sind also möglich und können in einigen Fällen nicht vermieden werden.
Pilkington Pyroclear® hat eine speziell bearbeitete Kante. Diese Kante ist durch ein besonders ausgewähltes Kantenband geschützt, das zu jeder Zeit an der Kante unbeschädigt verbleiben muss und nicht entfernt werden darf.
Die Bewertung der visuellen Qualität der Kante von Pilkington Pyroclear® ist nicht Gegenstand dieser Richtlinie.
Beurteilungsbedingungen
Generell ist bei der Prüfung die Durchsicht durch die Verglasung, das heisst die Betrachtung des Hintergrundes und nicht die Aufsicht massgebend (im Regelfall 90° zur Glasoberfläche). Die Beurteilung des Glases ist im eingebauten Zustand, aus einem Abstand von ca. 3m, von innen nach aussen und aus einem Betrachtungswinkel, welcher der allgemein üblichen Raumnutzung entspricht, vorzunehmen. Fehler dürfen vor Durchführung der Beurteilung nicht gekennzeichnet werden.
Prüfbedingungen und Betrachtungen aus Vorgaben in anderen Produktnormen/Richtlinien, die von der Richtlinie für Pilkington Pyroclear® abweichen, werden für die zu betrachtenden Verglasungen keine Berücksichtigung finden. Die beschriebenen Prüfbedingungen sind am Objekt oder während der Aufbauphase oft nicht einzuhalten.
Innenanwendungen/Innenverglasungen
Verglasungen innerhalb von Gebäuden (Innenverglasungen) sollen bei normaler diffuser, für die Nutzung der Räume vorgesehener Ausleuchtung (keine gerichteten Strahler, etc.), unter einem Betrachtungswinkel, vorzugsweise senkrecht zur Oberfläche, geprüft werden.
Aussenanwendungen/Einsatz in der Fassade
Diese Verglasungen werden bei diffusem Tageslicht, wie z. B. bedecktem Himmel, ohne direkt einfallendes Sonnenlicht oder künstliche Beleuchtung geprüft.
Beurteilungszonen
Es werden drei Beurteilungszonen unterschieden, die in folgender Skizze schematisch dargestellt sind. Die Hauptzone des Sichtfeldes wird umrahmt von der Randzone, die allseitig 10 % der lichten Scheibenabmessungen umfasst. Die Falzzone ist im eingebauten Zustand ausreichend abgedeckt und wird nicht berücksichtigt.

H = Hauptzone
R = Randzone
G = Glaseinstand
Zulässige Fehler
Punktfehler (z.B. Einschlüsse, Bläschen, Punkte und Flecken)
| Zone | Scheibenfläche | ||
| ≤ 1 m2 | > 1 m2 und ≤ 2 m2 | > 2 m2 | |
| H | 2 Punktfehler ≤ 2 mm Ø | 3 Punktfehler ≤ 2 mm Ø pro m2 | 5 Punktfehler ≤ 3 mm Ø pro m2 |
| R | 4 Punktfehler ≤ 3 mm Ø je umlaufenden m Kantenlänge | 1 Punktfehler ≤ 3 mm Ø je umlaufendem m Kantenlänge | |
| F | keine Einschränkungen, Kantenbeschädigungen unzulässig! | ||
Die Bestimmung zulässiger Fehler der Hauptzone basiert auf der ab- bzw. aufgerundeten Fläche der entsprechenden Festmassscheibe. Eine Glasfläche bis 1,49 m2 entspricht der Kategorie zulässiger Fehler für 1 m2, zwischen 1,50 m2 und 2,49 m2 ist die Kategorie zulässiger Fehler für 2 m2 ausschlaggebend, usw.
Punktfehler zwischen 0,5 mm und 1 mm Durchmesser sind ohne Flächenbegrenzung zugelassen und werden nur bei Anhäufung berücksichtigt. Eine nicht zu tolerierende Anhäufung liegt vor, wenn mindestens vier Punktfehler innerhalb einer Kreisfläche mit einem Durchmesser von ≤ 20 cm vorhanden sind. Beanstandungen ≤ 0,5 mm werden nicht berücksichtigt. Vorhandene Störfelder (Hof) dürfen nicht mehr als 3 mm Durchmesser haben.
Sonstige Fehler/Oberflächenfehler
Haarkratzer sind erlaubt, jedoch nicht gehäuft.
Hauptzone H: Kratzer bis 15 mm in der Einzellänge sind zulässig, Gesamtlänge der Kratzer max. 45 mm.
Randzone R: Kratzer bis 30 mm in der Einzellänge sind zulässig, Gesamtlänge der Kratzer max. 90 mm.
Welligkeit
Der thermische Vorspannprozess kann zu leichten Welligkeiten der Glasscheibe führen.
Die lokale Welligkeit auf der Glasfläche darf 0,5 mm bezogen auf eine Messstrecke von 300 mm nicht überschreiten. Die Messmethode ist in der EN 12150-1:2000 definiert.
Verwerfung
Die Verwerfung, bezogen auf die gesamte Glaskantenlänge, darf nicht grösser als 3 mm/m Glaskantenlänge sein. Bei quadratischen Formaten oder annähernd quadratischen Formaten (bis Format 1:1,5) können grössere Verwerfungen bis max. 4 mm/m Glaskantenlänge auftreten. Die gesamte Durchbiegung wird auf der konkaven Seite der senkrecht stehenden Scheibe als Stichhöhe entweder parallel zur Länge der Kante oder über die Diagonale gemessen. Die Messmethode ist in der EN 12150-1:2000 definiert.
Anisotropien
Anisotropien sind ein physikalischer Effekt bei wärmebehandelten Gläsern, resultierend aus der inneren Spannungsverteilung. Eine abhängig vom Blickwinkel entstehende Wahrnehmung dunkelfarbiger Ringe oder Streifen bei polarisiertem Licht und/oder Betrachtung durch polarisierende Gläser ist möglich. Polarisiertes Licht ist im normalen Tageslicht vorhanden. Die Grösse der Polarisation ist abhängig vom Wetter und vom Sonnenstand. Die Doppelbrechung macht sich unter flachem Blickwinkel oder auch bei im Eck zueinander stehenden Glasflächen stärker bemerkbar. Anisotropien sind produktinhärent und daher nicht als Fehler anzusehen.
Optische Besonderheiten
Aufgrund des thermischen Vorspannprozesses sind die chemische und mechanische Veränderung der Oberflächenbeschaffenheit und Rollenabdrücke in der jeweiligen Glasart nicht vermeidbar. Die Benetzbarkeit der Glasoberflächen kann z. B. durch Abdrücke von Rollen, Fingern, Etiketten, Papiermaserungen, Vakuumsaugern, durch Dichtstoffreste, Silikonbestandteile, Glättmittel, Gleitmittel oder Umwelteinflüsse unterschiedlich sein. Bei feuchten Glasoberflächen infolge Tauwasser, Regen oder Reinigungswasser kann die unterschiedliche Benetzbarkeit sichtbar werden. Solche Effekte sind keine Qualitätsfehler im Sinne dieser Richtlinie.
Hinweis
Diese Richtlinie orientiert sich an der europäischen Norm EN 12150 für thermisch vorgespanntes Kalknatron-Einscheibensicherheitsglas. Für Brandschutz-Isoliergläser gelten die Spezifikationen der jeweiligen Einzelscheiben.
Zugelassene Brandschutzsysteme mit Pilkington Pyrostop®, Pilkington Pyrodur® und Pilkington Pyroclear®
Eine Auflistung der Systempartner die ihre Entwicklungen mit Pilkington Pyrostop®, Pilkington Pyrodur® oder Pilkington Pyroclear® realisiert haben finden Sie unter www.flachglas.ch/produkte/fassadenglas/brandschutzglas. Eine detaillierte Auflistung der Anwendungsbescheinigungen können Sie in unserer 'technischen Dokumentation Brandschutzverglasungen' ersehen oder jederzeit unter https://fgch.ch/bsdb oder https://www.bsronline.ch/de/registersuche/ ersehen.




