In diesem Kapitel finden Sie allgemeine Angaben und Hinweise, technische Daten, Tabellen und Diagramme als Hilfe zur Vorab-Glasdickendimensionierung. Dabei handelt es sich immer um Empfehlungen mit orientierendem Charakter; sie spiegeln nach unserem besten Wissen, zum Zeitpunkt der Drucklegung, den Stand der Technik in Deutschland und teilweise der Schweiz wieder.
In der Schweiz müssen Gläser unter Berücksichtigung von Wetterlasten, Klimaeinwirkungen und Eigengewicht nach SIA Norm 2057 dimensioniert werden.
Glas muss immer mehr Funktionen übernehmen die verlangen, dass eine oder beide Scheiben in ESG oder VSG ausgeführt werden. Der Glasdicken-Berechnung werden die Lastannahmen der SIA-Norm 261 zu Grunde gelegt, die zulässigen Biegebruchspannungen sind in der Dokumentation «Sicherheit mit Glas» des Schweizerischen Institutes für Glas am Bau (SIGaB) aufgeführt.
Auf dem Markt existieren verschiedene Rechenprogramme für die Ermittlung der Glasdicken. Mit diesen Programmen können die örtlichen Gegebenheiten wie Wind, Schnee, Einbauhöhe und auch zusätzliche Belastungen berücksichtigt, und die zu erwartende Durchbiegung berechnet werden.
Haftungsausschluss
In jedem Fall raten wir zu einer rechtzeitigen Kontaktaufnahme mit den Spezialisten. Dies ist schon allein deshalb zweckmässig, weil die Lasteinwirkungsannahmen für viele Anwendungsbereiche nicht genormt oder sonstwie geregelt sind, sich derzeit in der Diskussion befinden und ggf. kurzfristig Änderungen erfahren, von lokalen Besonderheiten und objektspezifischen Vorgaben ganz abgesehen. Aufgrund der zunehmend schwieriger zu überschauenden gesetzlichen Anforderungen raten wir stets, bei der Anwendung von Glas einen Fachingenieur bereits bei der Planung hinzuzuziehen.
Rechnerisch zulässige Biegezugspannungen
Die Tabelle zeigt die Biegezugfestigkeitswerte der Glaserzeugnisse. In der Literatur findet man für das jeweilige Glaserzeugnis manchmal mehrere Werte, teilweise auch noch in Abhängigkeit vom Anwendungsfall. Wir empfehlen, sich entsprechend den vorangegangenen Erläuterungen an den Werten nach SIGaB zu orientieren.
Glastyp | Charakteristische Biegefestigkeit in MPa | |
Normal gekühltes Glas | Floatglas / gezogenes Flachglas Ornamentglas poliertes Drahtglas Drahtornamentglas | 45 33 33 27 |
Teilvorgespanntes Glas | Floatglas / gezogenes Flachglas Ornamentglas emailliertes Glas | 70 55 45 |
| Thermisch vorgespanntes Glas/heissgelagertes thermisch vorgespanntes Glas | Floatglas / gezogenes Flachglas Ornamentglas emailliertes Glas | 120 90 75 |
| Chemisch vorgespanntes Glas | Floatglas / gezogenes Flachglas Ornamentglas | 150 100 |
| Verbundglas | 2 Glasscheiben Mehr als 2 Glasscheiben und/oder Kunststoffverglasungen | XX/YYa NPDb |
Der gleiche Wert gilt für säuregeätztes Glas, Bei sandgestrahltem Glas muss der Wert mit 0.6 multipliziert werden.
a XX und YY stehen für die Biegefestigkeit jeder Glaskomponente im Verbundglas bez. im Verbundsicherheitsglas.
b Für die Art von Zusammensetzung sollte - ausser in besonderen Fällen - als Erklärung "NPD" (en: "No Performance Determined", angegeben werden, siehe EN 14449