vetroDur (ESG) Einscheibensicherheitsglas

vetroDur (ESG) ist ein Einscheiben-Sicherheitsglas gemäss DIN 1249-10 und DIN EN 12150-1 und kann gemäss SIA 2057 und SIGAB 002 verwendet werden. Es ist hochwiderstandsfähig gegen Stoss-, Schlag- und Biegebeanspruchungen sowie gegen thermische Belastungen. Beim Vorspannprozess wird die Glastafel bis zur Erweichung erwärmt und dann mit Kaltluft abgeschreckt. Durch diese Behandlung wird in der Scheibe ein im Gleichgewicht befindlicher Spannungszustand aufgebaut. Die Oberflächen stehen unter Druckspannungen, das Scheibeninnere unter Zugspannungen. Bei Aufhebung des Spannungsverhältnisses durch Beschädigung der Kanten bzw. der Oberfläche zerfällt das Glas in ein Netz kleiner Krümel, die mehr oder weniger lose zusammenhängen. Der Glasbruch kann sofort oder auch erst zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen. Eine Überbeanspruchung von vetroDur (ESG) kann auch durch eingeschlossene Nickelsulfid-Kristalle erfolgen, die u.U. erst nach Jahren den Bruch verursachen. Um dem vorzubeugen, wurde das Produkt vetroDur H definiert, bei dem durch eine spezielle Behandlung latent gefährdete Gläser aussortiert werden. Ein Restrisiko ist jedoch auch bei vetroDur H vorhanden (H steht für Heat Soak Test).
Aus diesem Grund weisen wir ausdrücklich darauf hin, das unsere Produkte vetroDur, vetroDur H, vetroDur Color, vetroDur Design sowie vetroDur Fassadenplatten wie auch vetroDur für Ganzglasanlagen im Zusammenhang mit einer Vorschädigung oder anderen Ursachen, spontan brechen können und in diesem Fall die Glasbruchstücke einzeln oder auch zusammenhängend herunterfallen können.
Bei der Verwendung dieser Produkte ist deshalb zu entscheiden, ob für den vorgesehenen Anwendungsfall die Produkte grundsätzlich geeignet sind. Sollte der Anwender oder Planer im Einzelfall nicht die Risikobeurteilung vornehmen können oder wollen, dann empfehlen wir die zuvor genannten Produkte nur als Verbundsicherheitsglas zu verwenden. vetroDur Produkte dürfen auch nur ohne vorgängige Kantenbeschädigung, die aus Produktions-, Transport- oder Montage-Gründen entstanden sind, eingebaut werden.

Aufbau der inneren Spannungen bei vetroDur (ESG)


Durch seine hohe mechanische und thermische Belastbarkeit und das für Einscheiben-Sicherheitsglas charakteristische Bruchverhalten hat vetroDur (ESG) im Vergleich zu normal gekühltem Glas ein sichereres Bruchverhalten. Es ist deshalb ein Sicherheitsglas.

Hinweis
Öffentliche Verkehrsflächen, insbesondere Türanlagen, sind besonders hohen Beanspruchungen ausgesetzt. Aus diesem Grund ist es empfehlenswert, in regelmässigen Abständen, die Glasscheiben auf Vorschädigungen und Türanlagen auf Gangbarkeit zu prüfen. Wir empfehlen bei vorgehängten Fassaden, die in stark frequentierten Personenbereichen vorgesehen sind, eine Ausführung in VSG aus TVG oder aus ESG-H (inkl. Heat Soak Test). Mit dieser Ausführung kann gewährleistet werden, dass im Falle eines Glasbruches keine Glasteile herunterfallen können.

Physikalische Daten von vetroDur (ESG)

Biegezugfestigkeit
120 N/mm2 (vetroDur, Einscheibensicherheitsglas)


70 N/mm2 (vetroFloat TVG, teilvorgespanntes Glas)

Druckfestigkeit
700–900 N/mm2

Elastizitätsmodul
7,0 · 104 N/mm2

Lichtdurchlässigkeit
vetroDur (ESG) Blank
6 mm ca. 90%

vetroDur (ESG) Grau
6 mm ca. 44%

vetroDur (ESG) Bronze
6 mm ca. 50%

vetroDur (ESG) Grün
6 mm ca. 75%

vetroDur (ESG) OW
6 mm ca. 91%

Struktur 200
10mm ca. 87%
Die Spannungseigenschaften von vetroDur bleiben bis zu Gebrauchstemperaturen von + 250°C erhalten. Es kann plötzlichen Temperaturänderungen oder Temperaturdifferenzen innerhalb der Oberflächen bis zu 200 K widerstehen.

Beständigkeit gegen Temperaturdifferenzen über die Scheibenfläche: 150K (150 °C)

Die übrigen technischen Daten entsprechen denjenigen normal gekühlten Floatglases. Dies gilt auch für die Härte.

Einscheiben-Sicherheitsglas (ESG) ist anfälliger für Kratzer als normales Floatglas. Obwohl ESG durch die Wärmebehandlung eine höhere Widerstandsfähigkeit gegen Bruch und Stoss hat, macht die resultierende innere Spannung das ESG empfindlicher für die optische Wahrnehmung von Kratzern.

  • vetroDur (ESG) ist ein Einscheiben-Sicherheitsglas aus vetroFloat Spiegelglas; es ist lieferbar von 4 mm bis 19 mm Glasdicke.
  • vetroDur (ESG) OW ist ein Einscheiben-Sicherheitsglas aus Weissglas; es ist lieferbar von 4 mm bis 15 mm Glasdicke. (19 mm auf Anfrage).
  • vetroDur (ESG) Grau, Bronze oder Grün ist ein in der Masse eingefärbtes, transparentes Einscheiben-Sicherheitsglas. Die Farbintensität erhöht sich mit zunehmender Glasdicke und damit die Blend- und Sonnenschutzwirkung. Farbverschiebungen können auftreten.
  • vetroDur (ESG) ist auch in verschiedenen Gussglasstrukturen herstellbar. z.B. Struktur 200, Master carre, Master ligne, Master point. (Weitere Designs auf Anfrage).
  • vetroDur Satin ist ein geätztes Einscheiben-Sicherheitsglas.

Anwendungsgebiete

Fenster, Türen, Trennwände, Umwehrungen, Rolltreppenverkleidungen, Treppengeländer (aber nur in Laufrichtung und vorhandenem statisch tragenden Handlauf) in öffentlichen und privaten Gebäuden, zur Verglasung von Turnhallen und Sportstätten, für verletzungshemmende Verglasungen in Schulen und Instituten usw. Ballwurfsicherheit siehe Kapitel "Ballwurfsicherheit"

Hinweise für die Bestellung

vetroDur (ESG) Einscheiben-Sicherheitsglas kann nach der Fertigung nicht mehr bearbeitet werden. Alle Masse, Lochbohrungen, Ausschnitte und die gewünschte Kantenbearbeitung sind daher bereits bei der Bestellung anzugeben.

Alle Gläser werden grundsätzlich mit mindestens gesäumten Kanten versehen. Diese sind fertigungstechnisch notwendig und werden auch ausgeführt, wenn eine unbearbeitete Kante bestellt wird. Anspruch auf eine optisch einwandfreie Glaskante erhebt diese Bearbeitungsart nicht.

Bei strukturierten Gläsern muss der Strukturverlauf in der Bestellung angegeben werden. Geschieht dies nicht, fertigen wir den Strukturverlauf parallel zur Höhenkante.

Ist nichts Gegenteiliges vermerkt, gehen wir davon aus, dass die Masse in der Reihenfolge Breite x Höhe in cm angegeben sind.

Zur Erzielung eines gleichmässigen Farbeindrucks sollte für die Fenster- und Fassadenverglasung eines Objektes mit vetroDur (ESG) Grau, Bronze oder Grün die gleiche Scheibendicke gewählt werden, da der Farbton mit zunehmender Glasdicke dunkler wird.
Bei Struktur- und Farbgläsern sind produktionsbedingte Musterverschiebungen bzw. leichte Farbunterschiede möglich.

Produktionsverfahren

Einscheibensicherheitsglas kann im thermischen Prozess im Horizontal- oder Vertikalverfahren hergestellt werden. Wir fertigen planes vetroDur (ESG) ausschliesslich nach dem Horizontalverfahren.

Planität/Geradheit

Die Abweichung von der Geradheit ist abhängig von der Dicke, von der Länge und Breite und dem Seitenverhältnis der Scheibe.

Die zulässigen Abweichungen werden in der EN 12150-1 beschrieben. Zwei Arten werden unterschieden:
  • Abweichung der Geradheit über die Glaskantenlänge
  • Abweichung der Geradheit bezogen auf eine Messstrecke von 300 mm.
Maximale Werte der generellen und örtlichen Verwerfung
Mit einem Haarlineal wird auf der konkaven Seite der auf zwei Klötzen nahezu senkrecht aufgestellten Scheibe der grösste Abstand h1 zwischen dem Bogen der Glasoberfläche und der gedachten Sehne im Bereich der Glaskanten gemessen.

Der Wert der generellen Verwerfung wird ausgedrückt durch die Durchbiegung in Millimeter, dividiert durch die gemessene Länge der Kante oder der Diagonalen in Millimeter entlang der sie gemessen wurde. Zulässig sind max. 0.003mm/mm bei ESG aus Floatglas und max. 0.004mm/mm bei ESG aus anderen Glasarten.

Abb. Messmethode für Geradheitsabweichung h1


Die Abweichungen von der Geradheit können über relativ kurze Abstände entlang der Scheibenkante auftraten.

Die örtliche Verwerfung wird ausgedrückt in Milimeter/300mm Länge.

Sie sind mit einem Haarlineal im Abstand von 25 mm zur Glaskante zu messen. Bezogen auf eine Messstrecke von 300 mm darf die Geradheitsabweichung h2 für alle Glasarten ausser Gussglas, 0,5 mm betragen.

Abb. Messmethode für Geradheitsabweichung h2

Technische Lieferbedingungen vetroDur (ESG)

Glasprodukt
Glasdicke (mm)
Dickentoleranzen (mm)
Maximalmasse (cm x cm)
Max. Seitenverhältnis
vetroDur (ESG)
4
± 0,2
150 x 250
1:10
5
± 0,2
240 x 300
1:10
6
± 0,2
240 x 510
1:10
8
± 0,3
290 x 550
1:10
10
± 0,3
321 x 900
1:10
12
± 0,3
321 x 900
1:10
15
± 0,5
321 x 700
1:10
19
± 1,0
321 x 700
1:10

vetroDur (ESG) Grau

vetroDur (ESG) Bronze

vetroDur (ESG) Grün

4
± 0,2
150 x 220
1:6
5
± 0,2
240 x 300
1:6
6
± 0,2
240 x 400
1:10
8
± 0,3
240 x 510
1:10
10
± 0,3
321 x 900
1:10
vetroDur OW (ESG, Weissglas)
4
± 0,2
150 x 250
1:10
5
± 0,2
240 x 350
1:10
6
± 0,2
240 x 510
1:10
8
± 0,3
290 x 550
1:10
10
± 0,3
321 x 900
1:10
12
± 0,3
321 x 900
1:10
15
± 0,5
321 x 700
1:10
19
± 1,0
321 x 700
1:10
Bitte beachten Sie, dass bei Abmessungen über 280 x 600 cm Einschränkungen betreffend Kantenbearbeitung, maximalem Gewicht pro Scheibe sowie Transport bestehen. vetroDur Activ und vetroDur Satin sind bis zu einer maximalen Grösse von 321 x 600 cm möglich. vetroDur H (mit Heat Soak Test) bis max. 330 x 700 cm resp. 250 x 900 cm lieferbar. ESG H ist erst ab einer Dicke von 6mm möglich.

Strukturgläser auf Anfrage
Minimalabmessungen: 20 x 30 cm (kleinere Abmessungen auf Anfrage)
Maximales Gewicht pro Scheibe 1250 kg; maximales Seitenverhältnis, abzüglich der Tiefe von Ausschnitten: 1:10
Die angegebenen Maximalabmessungen zeigen die Herstellmöglichkeiten; Sie haben nichts mit den aus der Anwendung und den statisch bedingten Maximalgrössen zu tun.


Nenndurchmesser ø mm
Toleranz mm
4 ≤ Ø ≤ 20
± 1
20 < Ø ≤ 100
± 2

Bohrloch-Mindestabstände
Der Mindestabstand a des Bohrlochrandes zu einer Kante, zu benachbarten Bohrungen b und zu einer Ecke c hängt von der Nenndicke d, den Abmessungen B und H, dem Bohrungsdurchmesser Ø, der Form der Scheibe und der Anzahl der Bohrungen in der Scheibe ab. Bei maximal vier Bohrungen je Scheibe sind die in der folgenden Abbildung gezeigten Mindestabstände a ≥ 2d, b ≥ 2d und c ≥ 6d einzuhalten.

Sind die Abstände a1 und a2 des Bohrlochrandes zu den Kanten nach folgender Abbildung kleiner oder gleich 35 mm, dann muss die Differenz zwischen a1 und a2 mindestens 5 mm betragen. Wenn beide Abstände a1 und a2 grösser als 35 mm sind, dürfen a1 und a2 gleich sein.

Runde Gläser (kreisförmig) in vetroDur (ESG)

Glasdicke (mm)
Masstoleranzen (mm)
min. Durchmesser (cm)
max. Durchmesser in cm



poliert oder fein geschliffen
gesäumt
5
siehe Grössentoleranzen
10
210
210
6
10
8
10
10
20
12
20
15
20

Polierte Kanten min. Durchmesser: 20cm

Grössentoleranzen

Nennmasse der Seite, B oder H
Toleranz t
Nenndicke d ≤ 12
Nenndicke
d > 12
≤ 2000

+ 2,5 (horizontales Herstellungsverfahren)

+ 3,0 (vertikales Herstellungsverfahren)

± 3,0
200 < B oder H ≤ 3000
± 3,0
± 4,0
> 3000
± 4,0
± 5,0

Bohrungen

Lochbohrungen und Ausschnitte bei Gläsern mit einer Kantenlänge grösser als 400 cm auf Anfrage.

Der Bohrungsdurchmesser darf nicht kleiner sein als die verwendete Glasdicke. Die Festlegung des Durchmessers erfolgt unter Berücksichtigung des Schraubendurchmessers, der Wandstärke der Ummantelung und der vorgegebenen Toleranzen.

Kantenbearbeitung

(In Anlehnung an DIN 1249-11 – Flachglas im Bauwesen)
Benennung
Kurzbezeichnung
Definition
Gesäumt
KGS
Die gesäumte Kante ist fertigungstechnisch notwendig und entspricht einer Schnittkante, deren Ränder mehr oder weniger gebrochen sind.
Geschliffen / rodiert
KGN
Die Kantenoberfläche ist durch Schleifen ganzflächig bearbeitet. Die Kante wird mit einer Fase versehen. Geschliffene Kanten haben ein schleifmattes Aussehen. Blanke Stellen und Ausmuschelungen sind unzulässig.
Poliert
KPO
Die polierte Kante ist eine durch Überpolieren verfeinerte Kante. Polierspuren sind zulässig

Gehrungskante


GK
Die Gehrungskante bildet mit der Glasoberfläche einen Winkel von α < 90°, α mindestens > 40°. Das Bestellmass beinhaltet den Saum der Gehrungskante.
Bei Modellscheiben sind, wenn ein Handschliff erforderlich ist, optisch abweichende Kantenbearbeitungen an einer Scheibe möglich.

Topview - Anisotropiearmes ESG und TVG

Bei der Herstellung von ESG oder TVG entstehen Zonen mit unterschiedlicher Spannung. Bei Betrachtung in polarisiertem Licht können diese als Flecken («Leopardenflecken»), vor allem bei schrägem Betrachtungswinkel sichtbar werden (Anisotropie). Auch die Glasdicke oder die Kombination mit Funktionsbeschichtungen im Isolierglas beeinflussen ggf. den optischen Eindruck. Die Produktnormen weisen darauf hin, dass Anisotropie kein Fehler, sondern ein physikalischer Effekt ist.
Polarisiertes Licht ist je nach Wetter und Sonnenstand in normalem Tageslicht vorhanden, so dass je nach Beleuchtungssituation optische Anisotropien bei teil-/vorgespannten Scheiben auftreten können. Bei Topview ESG oder Topview TVG können durch ein spezielles Vorspannverfahren die optischen Anisotropie-Erscheinungen reduziert werden.

Eine Kombination von Topview mit vorspannbaren Beschichtungen ist möglich.